Yakuza 6: The Song of Life im Test

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The Song of Life, also Das Lied des Lebens, so lautet der Untertitel des neuesten und mittlerweile sechsten offiziellen Ablegers (Prequel und Spin-Offs mal nicht mitgezählt) der äußerst langlebigen Yakuza-Reihe. Und SEGA hat sich nicht gerade wenig vorgenommen: Man möchte Serienheld Kazuma Kiryu einen würdigen Abgang verschaffen und gleichzeitig eine emotionale, packende Geschichte erzählen, die zusätzlich auch noch auf der neuen und verbesserten Dragon Engine fußt. Ob das funktioniert und wie gut Yakuza 6: The Song of Life geworden ist, soll unser Test klären.

Der Ursprung des Drachen

Bereits seit 2005 gibt es die Yakuza-Reihe, die nicht zuletzt wegen des gleichen Produzenten immer wieder Erinnerungen an Shenmue, einen Klassiker der leider sehr kurzlebigen Dreamcast-Generation weckte. Und genau so lange ist auch Kazuma Kyriu, der Drache von Dojima, Teil des Epos rund um Familie, Verrat und natürlich die titelgebende, kriminelle Organisation. Der erste Teil erschien damals noch für die PlayStation 2 und kam sowohl bei Kritikern als auch Fans des Genres sehr gut an, wenngleich der große kommerzielle Erfolg im Westen erst einmal ausblieb.

Und auch wenn sich Yakuza 4 und Teil 5, die beide für die PlayStation 3 veröffentlicht wurden, auch hierzulande über besere Verkaufszahlen und eine gewachsene Fanbase erfreuen konnten, dauerte es gefühlt und zumindest bei mir persönlich bis Yakuza 0, dem offiziellen Prequel, und Yakuza Kiwami, einem Remake des ersten Teils, die beide für die aktuelle Konsolengeneration Sonys veröffentlicht wurden, ehe die Marke Yakuza auch im Westen endgültig im Mainstream angekommen war.

Der Drache von Dojima hat also eine lange Reise hinter sich. Dafür ist er nun auch, zumindest wenn es nach den Entwicklern geht, am Ende dieser angekommen.

Der Anfang vom Ende

Das allerdings soll Spoiler sein, sondern vielmehr eine Ankündigung, dass man nach zahlreichen Titeln und einer immer weiter gesponnenen Geschichte, etwas frischen Wind in die Reihe bringen möchte. Dementsprechend persönlich soll der Abschied von Kazuma Kiryu dann auch sein. Natürlich werden wir es in diesem Test auch weiterhin vermeiden große Handlungsenthüllungen preis zu geben, aber ein paar Worte zur Rahmenhandlung müssen dann schon sein:

Zu Beginn des Spiels trifft Kazuma eine wichtige Entscheidung, um sich und seine Ziehtochter Haruka zu schützen. Er möchte sich von der Yakuza samt Tojo-Clan reinwaschen und tritt stellvertretend hierfür eine dreijährige Haftstrafe an. Als er im Anschluss in jenes Waisenhaus zurückkehrt, in dem er selbst einst aufgewachsen ist, und um das er sich nun zusammen mit Haruka kümmert, erfährt er von seinen Mündeln, dass diese bereits seit einiger Zeit verschwunden ist. Als er sie einige Zeit später ausfindig macht, liegt sie in einem Krankenhaus im Koma. Mehr noch, findet Kazuma heraus, dass er Quasi-Großvater ist, denn Haruka hat ein Kind, um das man sich kümmern muss.

Wer der Vater ist und wer hinter dem Autounfall steckt, dem die junge Frau ihren gesundheitlichen Zustand verdankt, gilt es genauso herauszufinden, wie es gilt sich nicht weiter in einen Kleinkrieg zwischen Yakuza und Triade hineinziehen zu lassen.

Und das ist lediglich der Auftakt einer spannenden Geschichte, einem Krimi in bester aber auch “japanischster” Tradition.

Nicht immer ernst, manchmal absurd…

Das bedeutet auch, dass sich die Geschichte nicht immer allzu ernst nimmt und man gerade als westlicher Spieler das ein oder andere mal an den Kopf greifen wird. Wenn sich Protagonist und ein Freund gegenseitig die Hintern versohlen, nur um anschließend wieder beste Freunde zu sein, wenn zehn Minuten lang mit stoischer Mine eine Handlung voran getrieben wird, die so unglaubwürdig wirkt, wie es eben nur ein Videospiel sein kann, dann … sagen wir es mal so: Das muss man mögen. Yakuza 6: The Song of Life ist eben keines jener Spiele, die sich auf ein Extrem oder keines konzentrieren. Stattdessen springt der Titel auch erzählerisch immer wieder zwischen Pathos und Komödie hin und her. Da muss man auch mal Katzen suchen, Babys schütteln oder sich mit einer omnipotenten KI herumärgern.

Dass es die Entwickler aber dennoch schaffen, eine weitestgehend glaubwürdige und nachvollziehbare Geschichte zu erzählen, die letztlich in einem ebenso grandiosen wie epischen Finale gipfelt, ist ihnen hoch anzurechnen.

… aber immer auf die Fresse!

Getragen wird die Handlung natürlich nach wie vor vom kampforientierten Gameplay. Denn spielerisch präsentiert sich auch Yakuza 6 nach wie vor als Brawler. Während man durch die detailliert gestalteten Umgebungen und Straßenzüge läuft, aber auch im Rahmen von Story-Missionen gerät man immer wieder in Kämpfe, in denen es Kazuma nicht selten mit mehr als fünf Personen gleichzeitig zu tun bekommt. Durch ein eingängiges Kampfsystem mit seinen Schlägen, Tritten und der Möglichkeit den Gegner oder Gegenstände aus der Umgebung zu ergreifen und zu nutzen (beispielsweise als Wurfgeschoss oder Sandsack), ergeben sich viele Möglichkeiten zu brachialen und beeindruckend inszenierten Kombos.

Der Drache von Dojima lässt sich zudem sehr viel direkter und genauer kontrollieren als noch in den Vorgängern. Dadurch machen die Kämpfe sehr viel mehr Spaß und fühlen sich gleichzeitig frischer an als noch in Yakuza 0. Durch gewonnene Kämpfe und erledigte Nebenaufgaben gewinnt man an Erfahrung, die sich schließlich in neue Fähigkeiten, ein erweitertes Bewegungsrepertoire oder allgemein verbesserte Stats stecken lassen.

Und auch der Heat Mode, ein Modus, in dem man besonders mächtige Kombos kreieren kann, wurde angepasst. Ist die entsprechende Leiste gefüllt genug, kann man in den Modus wechseln, in dem Kazuma von einer blau leuchtenden Aura umgeben ist und generell mehr Schaden verursacht. Richtig eingesetzt, lassen sich viele der Kämpfe vereinfachen. Allerdings kommt man so höchstens auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad problemlos voran. Sonst gilt es zu taktieren, auszuweichen, zu kontern, bzw. zu parieren. Und auch Heilgegenstände und Booster müssen gezielt eingesetzt werden.

Es gibt viel zu tun!

Egal ob man sich durch Kamurocho, ein fiktives Vergnügungsviertel Tokyos, oder das dörfliche Onomichi bewegt, es gibt viel zu tun!Da warten nicht nur zahlreiche spannende Nebenaufgaben und Kämpfe, sondern auch zig Nebenaktivitäten, in die man Stunden stecken kann, wenn man das denn möchte.

So kann man sich als Kazuma Kiryu beispielsweise seinen Lebensunterhalt als aktiver Baseballspieler verdienen, inklusive dem Entdecken und Anwerben neuer Talente. Oder man singt Karaoke und schließt dabei neue Bekanntschaften, jagt Fische mit einer Harpune, spielt Dart, trifft sich mit Hostessen, oder chattet gar mit fremden Damen. Zusätzlich kann man auch in den Arcades zahlreiche von SEGA lizenzierte Spiele anzocken, darunter Klassiker wie Outrun, Puyo Puyo oder Virtua Fighter. Für Ablenkung ist also durchaus gesorgt.

Wem das allerdings noch nicht reicht, der dürfte sich über die neuen Clan-Missionen freuen, ein neues Minispiel, in dem es gilt einen eigenen Clan zu managen, neue Mitglieder zu rekrutieren und diese in Kämpfe gegen andere Clans zu schicken. Das ist nicht nur profitabel, sondern ebenfalls ein wunderbarer Stilbruch, präsentiert sich dieses große Minispiel doch als ein gut funktionierender und vor allem motivierender Strategie-Titel.

Die neue Engine und der Schritt nach vorne

Rein grafisch sieht Yakuza 6: The Song of Life auf den ersten Blick nicht viel besser oder eben anders aus als die direkten Vorgänger. Auch hier überzeugen die realistischen Charaktermodelle und schönen Umgebungsgrafiken. Aber mal abgesehen davon, dass die neuen Spielumgebungen tatsächlich allgemein noch mal etwas detaillierter aussehen, strotzen sie jetzt nur so vor Leben und Bewegung. Ja, die Spielwelt mag niemals die Offenheit und Größe anderer aktuellen Semi-Open World-Titel  erreichen, aber gerade durch das intimere, das kleinere, schafft es die neue Engine eine glaubwürdige Welt abzubilden.

Hier wirken Passanten nicht nur wie zufällige NPCs, sondern wie Einwohner einer lebendigen Stadt. In Läden lungern alle möglichen Personen herum, während Geschäftsleute über das Pflaster hetzen und Kinder auf Spielplätzen spielen. Sich nur langsam durch die Straßen bewegende Autos und die authentischen Umgebungen runden das Gesehene ab. Da blinken Neonlichter und Werbetafeln, das ertönen die Geräusche kräftiger Klimaanlagen oder die Geräusche lauter Arcademaschinen. Gerade Kamurocho versprüht hier eine fantastische Authentizität.

Der Rest des technischen Gerüsts ist zweifellos nicht ganz so schnell greifbar, aber vorhanden, wenn man darauf achtet. Die Animationen sind flüssiger und die Ladezeiten sind weitestgehend verschwunden. Gebäude, Fahrstühle und auch Kämpfe – Die Übergänge sind nahtlos. Vorbei also die Zeiten, in denen man auf Ladebildschirme starren musste.

Sound, Synchronisation und die Sache mit der Sprache

Ebenfalls toll gelungen sind der Soundtrack und Effektabmischung. Zwar wiederholen sich die Melodien und Themes mitunter sehr schnell oder geraten in den Hintergrund der Geschehnisse, aber gerade in Hinblick auf die Karaoke-Spiele und die brachialen Effekte, gibt es nichts zu meckern. Die Synchronisation ist wie immer fantastisch, allerdings nur auf japanisch. Wen das stört, der wird womöglich nicht glücklich mit Yakuza 6, zumal zum ersten mal tatsächlich alle Gespräche voll vertont wurden.

Was dem ein oder anderen ebenfalls sauer aufstoßen könnte, ist der Fakt, dass die Texte und Untertitel nach wie vor nur auf Englisch vorhanden sind. Wer die Sprache nicht wirklich beherrscht, wird vom dem Titel schnell überfordert sein können. Sehr schade, aber der noch immer nicht ganz so großen Popularität der Reihe hier im Westen zuzuschreiben.

 ~ Fazit zu Yakuza 6: The Song of Life ~

Der Abschied des Drachen von Dojima war letzten Endes noch beeindruckender, runder und schöner, als ich es im Vorfeld erwartet hatte. Was die reine Story-Spiellänge anbelangt ist Yakuza 6: The Song of Life vermutlich der kürzeste Titel, dafür aber auch der am besten funktionierende. Die Mechaniken wurden verfeinert oder entschlackt, die Ladezeiten kurzerhand gestrichen und die Dialoge wurd komplett vertont. Das ist Fortschritt durch und durch.

Am Ende blieb mir dann auch irgendwie der Atem weg. Das Lied des Lebens hat dann eben auch immer einen Anfang und ein Ende. Danke Kazuma Kiyru für die wilde Reise!

 

Wer sich von der Qualität des Spiels selbst überzeugen möchte, findet hier im PlayStation Store übrigens eine kostenlose Demoversion, die den Prolog des Titels abdeckt. Spielstände können beim Kauf der Vollversion sogar übernommen werden!

 

 

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

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