The Inpatient im Test

PS VR Reviews

Für viele war Until Dawn ein absoluter Horror-Hit als der Titel vor knapp drei Jahren für die PlayStation 4 veröffentlicht wurde. Supermassive Games spielten wunderbar mit Klischees und der Erwartungshaltung der Spieler und inszenierten dank des Schmetterlingseffekt-Features und interessanter Steuerungsoptionen durchaus innovative Gruselunterhaltung. Ob The Inpatient, das gerade exklusiv für PlayStation VR veröffentlicht wurde und als Prequel zum Erstling fungiert, da mithalten kann, soll der folgende Test klären.

The Inpatient

Wer einmal Resident Evil 7 biohazard mit dem PlayStation VR-Headset auf dem Kopf gespielt hat, der weiß, wie intensiv Horror innerhalb der virtuellen Realität funktionieren kann. Kein Wunder also, dass sich Supermassive dachten “Das können wir auch” und auf dem Fundament der hervorragenden VR-Geisterbahn Until Dawn: Rush of Blood aufbauend mit der Entwicklung von The Inpatient begonnen haben.

Und tatsächlich klingt der Titel auf dem Papier nahezu perfekt: 60 Jahre vor den Ereignissen von Until Dawn spielend, wird man als Patient in das Blackwood Sanatorium eingewiesen. Da man unter Amnesie leidet, sich also an nichts erinnern kann, wirkt nicht nur die Umgebung unheimlich, sondern auch die fremden Menschen, die mit einem reden, als würde man sich vielleicht doch bereits kennen. Dass man zudem an einen Rollstuhl gefesselt wurde, lässt einen nicht unbedingt sofort Vertrauen aufbauen. Doch schnell wird einem klar, dass in dieser Anstalt etwas vor sich geht, das aufzuhalten womöglich zu spät ist.

Mehr soll hier gar nicht zu Handlung verraten werden, was auch daran liegt, dass zwar zahlreiche – hervorragend deutsch synchronisierte – Zwischensequenzen gibt, während derer man lediglich als Zuschauer agiert, aber vor allem der sehr kurzen Spielzeit geschuldet ist. Mehr als drei Stunden wird man nicht brauchen, um den Abspann zum ersten Mal über den Bildschirm flimmern zu sehen.

Alles oder Nichts…?

Daran ändert auch der sogenannte Schmetterlingseffekt nichts, der ja bereits in Until Dawn zum Einsatz kam. Dabei ist die Idee dahinter so simpel wie genial: Trifft man eine Entscheidung, hat das Konsequenzen. Nicht immer direkt, aber irgendwann. Dass man selbst nie weiß, welche das sein könnte, erhöht die situative Spannung ungemein. Allerdings leidet das Konzept darunter, dass es in The Inpatient nur sehr selten zum Einsatz kommt. Zwar muss man sich häufig zwischen zwei Antwortmöglichkeiten entscheiden, aber nur wenn daraufhin Schmetterlinge über den Bildschirm flattern, wird diese Antwort auch Auswirkungen auf das Spielgeschehen haben. Viel zu häufig passiert aber gar nichts – mal abgesehen von unterschiedlich ausgehenden Dialogen.

Und so ist The Inpatient trotz toller Atmosphäre gerade auf spielerischer Ebene ein zweischneidiges Schwert. Viel zu lange Zeit ist man eher Teil einer jener marginal beeinflussbarer VR-Experiences wie es ihrer zuhauf im PS Store gibt: Man beobachtet andere wie in einem Film und kann dabei manuell den Blickwinkel ändern. Gerade zu Beginn macht man nicht viel mehr als den mal mehr mal weniger interessanten Ausführungen eines anderen Patienten zu lauschen. Dabei kann man sich zwar innerhalb eines sehr begrenzten Raumes bewegen und sich dort umsehen, das ändert aber nichts daran, dass spielerisch hier nur das absolute Minimum geboten wird. Darüber hinweg täuscht dann leider auch nicht die durch die virtuelle Realität gelieferte, immersive Sichtweise.

Im letzten Drittel und während wiederkehrender Alpträume kann man sich dann zwar freier bewegen – dunklen Korridoren folgend Teile der Anstalt erkunden beispielsweise – aber mehr als rudimentärste Walking Simulator-Mechaniken werden dennoch nicht geboten: Türen öffnen, Dokumente lesen, mit der Taschenlampe leuchten – Das war es. Wer Rätsel sucht oder auf Geschicklichkeitseinlagen gehofft hatte, wird enttäuscht sein.

Alptraumhafte Steuerung

Enttäuschend ist auch die Steuerung des Horror-Spiels. Denn obwohl man sich zwischen klassischer DualShock 4-Fortbewegung und Move Controller-Nutzung entscheiden kann, überzeugt keine so wirklich. Klar, mit dem Standard-Gerät kann man sich wunderbar und bequem fortbewegen, den linken Stick einfach in die entsprechende Richtung neigen und den entsprechenden Knopf für eine Aktion drücken. Problematisch wird diese Option allerdings, wenn man beispielsweise mit der Taschenlampe leuchten muss. Beziehungsweise gilt ganz generell, dass die Immersion, also das Eintauchen in VR unter der Nutzung des klassischen Controllers leiden kann. So eben auch hier.

Die Move Controller machen es zumindest auf dem Papier besser. Wenn man die beiden virtuellen Hände unabhängig voneinander bewegen und damit greifen kann, dann ist das ganz generell der in VR bessere und glaubwürdigere Steuerungsansatz. Leider gibt es in The Inpatient nur so wenig zu tun, dass die “Handübungen” weniger integraler Bestandteil denn Spielerei sind. Zusätzlich gestaltet sich die Steuerung als eher fummelig, zumindest hatte ich das Problem, Gegenstände nicht immer ganz problemlos greifen zu können. Auch nicht nach einem Neujustieren und Platzieren des Setups. Weiterhin funktioniert die direkte Fortbewegung mittels der veralteten PS3-Hardware eher zweckmäßig. Man bewegt den rechten Controller in die Richtung, in der man seinen virtuellen Avatar drehen möchte und drückt einen Knopf. Entweder schrittweise oder relativ frei kann man so die Kamera drehen, während man mit dem linken Move-Controller durch Drücken einer Taste geradeaus läuft. Wer sich übrigens um 180° drehen möchte, hebt den rechten Controller über die Schulter, so dass die Kugel nach hinten zeigt und drückt eine der Tasten. Das funktioniert alles nach einer gewissen Einarbeitungszeit zwar gut, aber intuitiv ist anders.

Richtig (und geradezu überraschend) gut funktioniert die Sprachsteuerung des Spiels. Dank des im VR-Headset eigebauten Mikros kann man auf die Fragen, die einem von NPCs gestellt werden, einfach antworten, indem man einen der zwei unterschiedlichen Sätze, die einem als Antwortmöglichkeiten präsentiert werden, laut vorliest. Schweigen ist zwar generell auch eine Option, genauso wie antworten via Tastendruck, aber da die Stimmerkennung (auch auf deutsch) so hervorragend funktioniert, ist jedem ans Herz gelegt, diese auch auszuprobieren. Sie erhöht die Immersion ungemein und ist womöglich die beste Idee, die der Titel zu bieten hat.

Grafik, Technik & Sound

Ansonsten überzeugt das Spiel auch auf der grafischen Ebene. Zwar kann das mitunter extreme Kantenflimmern stören und Details respektive Texturen sind nicht immer ganz so scharf, wie sie sein könnten, aber gerade die anderen Figuren sind so detailliert ausgearbeitet, dass sie die Referenz im VR-Bereich darstellen müssten. Selbst ein Resident Evil 7 hatte nicht so herausragend animierte Gesichter. Wenn ein NPC einem tief in die Augen blickt, während sie mit einem reden, kann man sich in diesen nahen Gesichtern durchaus verlieren. Dazu trägt auch die Mimik bei, die bei Lippen- und Agenbewegungen zeigt, wie gut sie eigentlich gelungen ist. Leider liegt über dem ganzen Bild ein sichtbarer Schleier, der alles immer ein wenig verwaschen aussehen lässt. Schade für diese Abzüge in einer technisch sonst sehr guten Präsentation.

Die musikalische Untermalung ist gelungen und die Soundeffekte können durchaus ihre volle Wirkung entfalten, wenn knarzende Dielen, sich von hinten näherndes Atmen und ähnliche fiese Schnipsel einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Auch die deutsche Synchro weiß zu gefallen. Die Sprecher sind allesamt gut besetzt und spielen ihre Rolle sehr gut. Leider ist die Sprachaugabe nicht immer lippensynchron, was gerade in VR extrem stört.

Fazit

Ich bin ganz ehrlich: The Inpatient hat mich persönlich absolut enttäuscht. Meine Erwartungen an ein von Supermassive Games entwickeltes VR-Prequel zu Until Dawn waren hoch. Zu hoch, wie sich gezeigt hat. Denn trotz interessanter Ansätze und durchaus gelungener Atmosphäre, bleibt der spürbare Horror hinter dem des großen Bruders und selbst dem des Spin-Offs Rush of Blood zurück. Zu wenig Gameplay, zu wenig Interaktion, zu wenig spürbare Entscheidungen und vor allem zu geringe Spielzeit. Auch wenn ich durchaus dazu rate, den Titel ein zweites Mal durchzuspielen, gilt: Wenn man 40 € bezahlt um einen (im besten Fall) dreistündigen Titel spielen zu können, dann sollte aber zumindest die Steuerung perfekt funktionieren. Dass dies nicht der Fall ist und man trotzdem noch spürbare Längen in der lediglich okay inszenierten Geschichte spürt, ist eine absolute Enttäuschung.

Und dennoch ist The Inpatient eine interessante Erfahrung, wenngleich eine, bei der Lust und Frust sehr nah beieinander liegen, beziehungsweise bei der beinahe jede gute Idee von einer durchschnittlichen Umsetzung zerstört wird. VR-Enthusiasten und Horror-Fans sollten einen vorsichtigen Blick darauf werfen, aber womöglich erst, nachdem der Titel günstiger geworden ist. Denn wirklich empfehlen kann ich das Spiel aktuell nicht. Schade.

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

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