Patapon Remastered im Test

PS4 Reviews

Patapon? Wer nie eine PSP hatte, wird diese einmalige Kombination aus Rhythmus-Spiel, Strategiespiel und Göttersimulation wahrscheinlich nicht kennen, denn es war nur exklusiv für den Handheld erhältlich. 2008 erschien Patapon in Europa und Nordamerika, und wurde sofort mit ausgezeichneten Kritiken überhäuft. Später erschienen zwei Nachfolger, die sogar noch besser waren. Wie wir aber alle wissen, verkaufte sich die PSP nicht gerade wie geschnitten Brot, und so kamen auch nicht viele Zocker in den Genuss der Serie. Fans haben dennoch jahrelang auf einen vierten Teil gehofft. Dieser wird womöglich nie erscheinen, aber immerhin kann der erste Teil nun auf der PS4 gespielt werden: Patapon Remastered!

„Pata-Pata-Pata-Pon!“, singen meine Krieger, während sie voranmarschieren. So aus dem Kontext gerissen klingt das wie eine Aussage, die man in einer Irrenanstalt hören könnte. Und etwas irre ist dieses Spiel tatsächlich, aber ebenso genial. Die Patapon im gleichnamigen Spiel sind ein kriegerisches Volk aus kleinen schwarzen Wesen, die eigentlich nur aus einem Auge und Gliedmaßen bestehen. Die Patapon waren früher ein starkes und ehrwürdiges Volk, und diese alte Stärke wollen sie wieder erreichen – mit eurer Hilfe. Denn ihr seid der neue Gott der Patapon. Viel mehr nennenswerte „Story“ gibt es hier nicht, und das ist bei dieser Art von Spiel auch völlig in Ordnung. Stattdessen wird getrommelt, dass sich die Bälge biegen.

Das Dorf der Patapon heißt (natürlich) Patapolis, und von hier begebt ihr euch auf Missionen. In den 2D-Levels müsst ihr je nachdem das andere Ende des Levels erreichen (und Gegner dazwischen plattmachen), oder einen Boss töten. Und zwar so: Das Spiel wird allein mit den vier Symboltasten – Kreuz, Viereck, Dreieck, Kreis – gesteuert. Jede dieser Tasten steht für eine Trommel bzw. für den Ton, den diese produziert. Die vier Trommel-Sounds heißen lautmalerisch „Pata“, „Pon“, „Chaka“ und „Don“. Daher auch der Name des Spiels. Und jetzt?

Eure Krieger hüpfen auf der Stelle herum und warten auf eure Befehle. Und diese Befehle trommelt ihr. Wollt ihr sie ein Stück vorwärts gehen lassen, müsst ihr „Pata-Pata-Pata-Pon“ trommeln. Also Viereck, Viereck, Viereck, Kreis. Im Hintergrund läuft dazu durchgehend ein Beat im 4/4-Takt, an den ihr euch halten müsst. Zur Visualisierung blinkt dazu noch der Bildschirmrand bei jedem Beat. Habt ihr den Trommel-Befehl gegeben, führen die Patapon den Befehl in den nächsten vier Beats aus und singen zur Bestätigung „Pata-Pata-Pata-Pon!“ Wie ein Kriegsgesang eben. In dieser Zeit dürft ihr also nichts drücken. Danach seid ihr wieder dran und gebt den nächsten Befehl, immer so weiter.

Gegner tauchen auf und greifen eure Krieger an. Ihr gebt selbst den Angriffsbefehl mit „Pon-Pon-Pata-Pon“, und eure Fern- und Nahkämpfer stürzen sich auf die Feinde. Bei Bossen ist eine Defensivtaktik manchmal besser. Mit „Chaka-Chaka-Pata-Pon“ (Dreieck, Dreieck, Viereck, Kreis) sammeln sich die Fernkämpfer hinter den Nahkämpfern, die Nahkämpfer halten ihre Schilde hoch und verringern so den Schaden der nächsten feindlichen Attacke. Wenn ihr immer schön im Rhythmus bleibt, wird nach einiger Zeit der Fever-Modus aktiviert, in dem eure Patapon mehr Schaden austeilen und generell stärker sind. Aber drückt ihr nur einmal zu früh/spät, oder einfach die falsche Taste, kommt ihr aus dem „Flow“ und eure Krieger bleiben stehen. Das sollte natürlich so selten wie möglich passieren. Das Gameplay von Patapon ist nicht einfach zu beschreiben, erklärt sich aber wie von selbst, wenn man es sehen und hören kann:

Gefallene Feinde lassen Gold, Ressourcen und Ausrüstungsgegenstände fallen, mit denen ihr eure Krieger ausstatten könnt. Verschiedene Arten von Patapon erschafft ihr mit dem Baum des Lebens in Patapolis, wozu Fleisch, Holz, Steine und andere Ressourcen benötigt werden. Höherwertige Ressourcen erzeugen einen „Rarepon“, eine stärkere Version des jeweiligen Einheitentyps. Diese sehen auch anders aus als normale Einheiten. Wie in einem Strategiespiel müsst ihr abwägen, welche Einheiten ihr in welcher Mission braucht und diese klug aufstellen. Zum Beispiel sollten generell Bogenschützen hinten stehen, Speerwerfer in der Mitte und Nahkämpfer vorne. Mit der Zeit schaltet ihr aber immer mehr Einheitentypen frei, deren perfekte Aufstellung dann nicht mehr so offensichtlich ist. Es können außerdem immer nur drei Einheitentypen mitgenommen werden.

Und was hat die Remastered-Version gegenüber der Originalversion zu bieten? Scheinbar gar nichts, leider. Die Auflösung wurde weitestgehend auf 1080p (4k auf der PS4 Pro) angehoben, das war’s aber auch schon. Nur weitestgehend? Ja, denn die wenigen Videosequenzen des Spiels wurden scheinbar in der Original-Auflösung belassen, was auf einem üblichen HD-Fernseher natürlich sehr matschig aussieht. Auch ist das Hauptmenü (bestehend aus ganzen drei Auswahloptionen) noch exakt wie im PSP-Original, es gibt also immer noch kein Optionsmenü. Nicht mal Soundoptionen, und das in einem Rhythmusspiel. Der Sound ist nämlich generell zu leise, also muss man Fernseher, Lautsprecher oder Kopfhörer viel lauter drehen. Auch fehlt eine Option zur Kalibrierung der Latenz zwischen Bild, Ton und Tasteneingabe, wie sie bei Rhythmusspielen sonst üblich ist. Allein deshalb ist Patapon Remastered für einige Menschen bisher unspielbar, wie man in Foren lesen kann. Ich selbst hatte bisher aber keine Probleme mit zu hoher Latenz, sowohl am Fernseher mit angeschlossenen Lautsprechern als auch am Monitor mit angeschlossenen Kopfhörern. Ich benutzte den DualShock 4 außerdem ganz normal kabellos. Wer Probleme mit der Latenz hat, sollte den Controller per Kabel mit der PS4 verbinden und Kopfhörer verwenden.

Fazit

Patapon macht immer noch Spaß und macht immer noch süchtig. Wenn man es schafft, perfekt im Rhythmus zu bleiben und durchgehend im Fever-Modus ist, verfällt man nach einiger Zeit selbst in eine Art Trance aus Trommeln und Kriegsgesängen. Und das fühlt sich richtig gut an. Auch ist Patapon überraschend strategisch und durch seine Kombination aus mehreren Genres auch heute noch sehr ungewöhnlich und innovativ. Aber wie bei allen Rhythmusspielen gilt auch hier: Wer nicht musikalisch ist bzw. kein Rhythmusgefühl besitzt, wird nur Frust haben und sollte die Finger davon lassen. Auch ist es schade, dass die Remastered-Version nur eine exakte Kopie der PSP-Version plus besserer Auflösung ist. Auf der PS4 hätte ich mehr erwartet, wie z. B. die bereits erwähnten Soundoptionen. Jetzt würde ich nur noch gerne wissen, warum Sony die beiden Nachfolger Patapon 2 und Patapon 3 nicht gleich dazugepackt hat…

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*