Old Man’s Journey im Test

Nintendo Switch PS4 Reviews

Wir alle kommen irgendwann in eine Situation, in der wir das eigene Leben vor dem inneren Auge Revue passieren lassen, es in unserer Erinnerung nochmals erleben. Das kann mehrere Gründe haben und muss nicht zwangsläufig an irgendeinem speziellen Geburtstag oder einem besonders einschneidenden Moment geschehen, sondern kann einen ganz unverhofft erwischen. Und wie Old Man’s Journey, ein Puzzle-Adventure des Entwicklers Broken Rules beweist, kann es auch ein einfacher Brief sein, der eines Tages vom Postboten vorbeigebracht wird und alles auf den Kopf stellt.

Der alte Mann und die Welt

Was nach dieser Einleitung folgt, was passiert als der alte Mann, in dessen Rolle wir, die Spieler, schlüpfen müssen, den Brief gelesen hat, ist eine ruhige, eine meditative Reise in die eigene Vergangenheit und Zukunft. Da mag dem ein oder anderen nun allzu pathetisch klingen, ist es aber nicht. Tatsächlich gilt es den Protagonisten bei seiner Reise zu begleiten, die ihn immer wieder an Stationen bringt, die in ihm Erinnerungen an Ereignisse wecken, die ihn zu dem machten, der er nun geworden ist. Was in dem Brief steht, wissen wir zu Beginn nicht, sondern erfahren es erst zum Ende hin, wenn die Geschichte aufgelöst wird.

Bis dahin begleiten wir den alten Mann, der mit einem schweren Rucksack bepackt seinen Leuchtturm verlässt, auf einer 15 Kapitel umspannenden Reise, in denen es Gebirge, Dörfer und Schluchten zu durchqueren gilt, aber auch Fahrten in einem Zug, einem Transporter und einem Heißluftballon auf dem Plan stehen. Für Abwechslung ist also stets gesorgt. Und an den handgezeichneten Hintergründen und Schauplätzen kann man sich ohnehin nicht satt sehen.

Point & Click verändert die Welt

Spielerisch bietet Old Man’s Journey einen innovativen Twist auf das Adventure- und Puzzlegenre. Hier merkt man, dass der Titel ursprünglich für diverse Smartphones erschienen ist. Doch auch auf der von uns getesteten PlayStation 4-Version funktionieren die Mechaniken einwandfrei. Wie in einem Point & Click-Adventure bewegt man den auf dem Bildschirm angezeigten Cursor auf einen beliebigen Ort, an den sich der alte Mann bewegen soll. Ist die Auswahl bestätigt, läuft er von alleine dorthin. Dabei kann man sich erwartungsgemäß von links nach rechts und von unten nach oben – und umegekehrt – über die zweidimensionalen Hintergründe bewegen.

Der Clou ist demnach auch gar nicht so sehr, dass man sich der Zweidimensionalität zum Trotz auch in die Tiefe bewegen kann, sondern dass sich diese Bewegungsabläufe als eigentliche Rätsel offenbaren. Denn in den den Hinter- oder eben Vordergrund der einzelnen Bilder gelangt man nur, wenn Übergänge zwischen den einzelnen Ebenen geschaffen werden. Ein weiterführender Hügel ist nur dann zugänglich, wenn er den Boden davor berührt. Dadurch muss man sich Stück für Stück seinen Weg durch die Levelabschnitte bahnen, die einzelnen Ebenen geschickt und vorausschauend miteinander verbinden und die Routen so abstecken. Dass man dabei auch darauf achten muss, dass sich immer nur jene Elemente bewegen lassen, auf denen der alte Herr nicht gerade steht, sorgt dafür, dass man häufiger genau überlegts, wie man vorgehen muss.

Zur Abwechslung und Spielzeit

Zwar sind die einzelnen Rätsel niemals haarsträubende Kopfnüsse, aber auf einem moderaten und motivierenden Niveau. Gerade wenn man zusätzlich Schafherden umgehen oder riesige Felsbrocken durch die Level manövrieren muss, erkennt man wie fantastisch das Design gelungen ist. Daneben gilt es noch während einer Zugfahrt die Gleise richtig zu stellen, ohne den Zug zum Anhalten zu zwingen oder ein Auto über steile Gebirgszüge zu lenken. Durch diese Art der Abwechslung vergeht die Zeit dann auch wie im Fluge. Das liegt aber auch daran, dass man das Ende nach spätestens zweieinhalb Stunden erreicht haben wird. Zum Preis von 9,99 € und für den gebotenen Spielspaß – da greife ich einfach mal vor – ist das aber absolut angemessen.

Grafik und Sound

Wie ihr auf den eingebundenen Bildern sehen könnt, ist der handgezeichnete Grafikstil charmant und äußerst hübsch geworden. Wer den Stil mag wird sich, wie bereits erwähnt, kaum sattsehen können. Die Animationen wissen zu gefallen und die vielen kleinen, teils versteckten Details und witzigen optionalen Sequenzen – beispielsweise wenn man die das Fenster eines Hauses durch anklicken schließt – sind wunderschön verspielt. Hier gibt es nur positive Worte von meiner Seite! Gleiches gilt auch für den Soundtrack, der mir auch nach Ende meiner Spielsession im Ohr geblieben ist. Es erwarten einen abwechslungsreiche Melodien, die von fröhlich bis melancholisch die ganze Bandbreite dessen abdecken, was man mental mit dem Gezeigten verknüpft. Eine Sprachausgabe gibt es allerdings nicht. Braucht man auch nicht, das Broken Rules das Kunststück gelungen ist, die Bilder für sich sprechen zu lassen.

Fazit zu Old Man’s Journey

Old Man’s Journey ist genau das, was der Titel vermuten lässt: Die Reise eines alten Mannes. Doch hinter dieser einfachen Prämisse versteckt sich ein innovatives Puzzle- und Leveldesign, das auch auf der Konsole hervorragend funktioniert. Und wenn man sich darauf einlässt, die stille Erfahrung zu genießen, erlebt man eine rührende Geschichte über Selbstbestimmung und Liebe. Eine, wie wir alle sie uns vielleicht eines Tages durch den Kopf gehen lassen werden.

Doch bis dahin sollten all diejenigen, die sich für diese Art von Spiel begeistern können, Trophäenjäger (sehr einfache Platin) – und alle anderen eigentlich auch – den Titel genauer ansehen. Denn er ist jeden Blick und Cent wert!

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

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