Last Day of June im Test

PS4 Reviews

Wir haben uns das von Ovosonico und 505 Games entwickelte Adventure Last Day of June angesehen und den tieftraurigen Farbenrausch für euch verschlungen. Dabei wurde schnell klar, dass es sich bei dem Titel um ein Spiel handelt, das nichts für Jedermann ist, aber von jedem erlebt werden sollte. Was ich damit meine, das versucht der folgende Test zu klären.

Vom Außergewöhnlichen…

Last Day of June tut vorallem eines, es erzählt eine wundervolle, wenngleich traurige Geschichte in einem unglaublichen Grafikstil, den ich so bisher noch in keinem anderen Spiel bewundern wurde. Das Adventure sieht aus wie ein Stop Motion-Animationsfilm, der nach Art eines Aquarellgemäldes angepinselt wurde. Wenn man Carl, June oder einen der Nachbarn tief in die nicht vorhandenen Augen blickt, dann werden auch ganz schnell man Asoziationen an ein Werk Tim Burtons geweckt. So oder so: Das berührende Abenteuer wirkt von der ersten Sekunde an, wie etwas Außergewöhnliches, etwas ungemein Kreatives.

Und das präsentiert sich auch in der Geschichte. Man schlüpft in die Rolle von Carl, der seine Frau June an einem verhängnisvollen Tag in der Vergangenheit verlor. Als der Wagen von der Straße abkam, starb sie und er blieb gelähmt zurück. Noch immer in der Wohnung wohnend und der Liebe seines Lebens nachtrauernd, fristet er sein Dasein und meidet das Atelier von June, in dem noch immer ihre letzten Zeichnungen stehen, traurige Erinnerungen, die Carl nicht verkraften könnte, selbst wenn er es wollte.

Aber es kommt natürlich wie es kommen muss: Als sich Carl eines Tages gezwungen sieht das Atelier zu betreten, bemerkt er, dass die Gemälde Junes von einem magischen Glanz umgeben sind. Und tatsächlich, sobald er eines berührt, wird er in der Zeit zurückversetzt an jenen furchtbaren Tag, der alles veränderte. Fortan greift man auch als Spieler aktiver ins Geschehen ein. Je nachdem welches Bild man berührt, erlebt man den Tag aus der Perspektive eines anderen Nachbarn. Egal ob der kleine Junge mit seinem Ball, die beste Freundin, der Jäger oder der alte Mann, ein jeder erlebte den Tag auf eine andere Weise. Und wer weiß, denkt sich Carl, vielleicht lässt sich die Vergangenheit ja ändern…

… Zum Banalen

Mehr soll an dieser Stelle nicht zur Geschichte verraten werden. Da der Titel mit einer Spielzeit von zwei bis zweieinhalb Stunden ohnehin nicht allzu lange andauert, wäre jedes weitere Wort auch schon eines zu viel. Deshalb widmen wir uns direkt dem Gameplay. Leider kann Last Day of June an dieser Stelle nicht ganz so sehr überzeugen. Wo die narrative Prämisse beeindruckt, verliert sich das Spiel selbst zu sehr im Banalen.

Denn viel mehr als einen mehr oder weniger vorgegebenen Weg abzulaufen, ist nicht drin. Manchmal interagiert man mit der X- oder der Viereck-Taste mit der Umgebung oder anderen Figuren, aber das war es auch schon. Das Spielfeld ist dabei genauso limitiert wie die Handlungsmöglichkeiten. Noch ärgerlicher allerdings ist, dass es immer eine “richtige” und eine “falsche” Möglichkeit gibt, den Tag zu beenden.

Ein Beispiel vom Anfang, um das zu verdeutlichen: Spielt man als Junge mit einem Gegenstand, passiert etwas Schlimmes, interessiert man sich für einen anderen, passiert etwas Gutes. Das Spiel lässt einen allerdings immer beide Seiten erleben, ohne zu erklären warum. Womöglich verdichtet das die emotionale Erfahrung, dennoch war ich es irgendwann Leid.

Dann gibt es da auch noch Hindernisse, die einfach nur integriert wurden, um Last Day of June für einen kurzen Zeitraum auf spielerischer Ebene komplexer erscheinen zu lassen, als er es tatsächlich ist. Anders kann ich mir das nicht erklären, warum einen Laub am Vorankommen hindert. So hinderlich ist so etwas dann ja auch nicht…

Aber man merkt hier einfach, dass man das Spiel eher auf den emotionalen und visuellen Ebenen erzählen wollte, statt es durch Gameplay voranzubringen. Und das funktioniert sonst hervorragend.

Technik & Sound

Wie eingangs erwähnt ist der Grafikstil nicht weniger als eine Wucht. Bewegte Aquarellbilder im Look eines Stop Motion-Films. Das sieht fabelhaft aus, auch in Bewegung und präsentiert sich manchmal in wunderschönen Bildern und zauberhaften Umgebungen. Trotz der begrenzten Spielwelt, die sich auf nur wenige Häuser und zwei, drei zusätzliche winzige Areale beschränkt, konnte zumindest ich mich nicht sattsehen an dem Stil.

Leider stören ab und an kleinere Ruckler das Geschehen auf dem Bildschirm und die zum Stil gehörigen, verschwommenen Hintergründe, die erst bei Annäherung scharf gestellt werden, erweisen sich mitunter als anstrengend.

Der Soundtrack ist absolut gelungen. Er ist in jeder Sekunde des Spiels nicht nur passend, sondern eine Ergänzung. Schon lange nicht mehr konnten mich Melodien, die nicht im Ohr bleiben, sondern mit den Erinnerungen verblassen, so sehr begeistern. Danke dafür.

Fazit zu The Last Day of June

Es ist nicht leicht Last Day of June den Wertungsstempel aufzudrücken. Auf der einen Seite ist es ein spielerisch so sehr zurückhaltender Titel, der sich trotz der kurzen Dauer des Spiels in Repetition verliert, während… Ja, während es auf der anderen Seite eine der emotionalsten und berührendsten Geschichten ist, die ich in diesem Jahr erleben durfte. Wer ein Spiel in der Tradition eines What Remains of Edith Finch sucht, der wird die Geschichte rund um June und Carl lieben. Wer komplexe Gameplay-Strukturen und spielerische Überraschungen sucht, sollte verzichten.

Ich jedoch war absolut bgeistert und schließe mit folgenden Worten ab: Was Ovosonico und natürlich der Regisseur Massimo Guarini da gezaubert haben, ist schlichtweg fantastisch. Und auch ein wenig kitschig, aber das gehört manchmal eben dazu. Ich sage Danke und merke beim Schreiben dieser Worte, dass mich das Spiel noch immer nicht ganz losgelassen hat.

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

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