Frantics im Test

PS4 Reviews

Wer eine PlayStation 4 besitzt, wird wahrscheinlich schon mal mit ihnen in Berührung gekommen sein: Die sogenannten PlayLink-Spiele, also Titel, die man mittels Smartphone steuern kann und die eher auf schnelle Unterhaltung, denn tiefschürfende Erfahrung setzen. Das erste Spiel dieser Art, That’s You!, gab es lange Zeit als Dreingabe zu PlayStation Plus, entpuppte sich aber auch unabhängig davon vermeintlich kostenlos zu sein, als Spielspaßgarant für ausgelassene Abende. In diese Kerbe möchte nun auch Frantics schlagen und präsentiert sich statt Freundschaften entlarvende Quiz-Parade doch eher als durchgeknallte Minispiel-Sammlung. Ob die Rechnung aufgeht, wollen wir im folgenden Test klären.

Der fantastische Mr. Fox

Das von NapNok Games entwickelte Frantics überzeugt direkt zu Beginn durch seinen abgedrehten und charmanten Look. Das überzeichnete Artdesign, in dem alle Tierwesen aussehen, als hätten sie die Nacht zum Tag gemacht und dabei etwas zu tief ins Glas geschaut, weiß genau so zu gefallen, wie die generell liebevoll im Knet- & Comiclook gehaltenen Spielumgebungen und Items.

Begrüßt wird man dabei von einem Fuchs, der die Rolle des sarkastischen Moderators übernimmt und mit gefülltem Whiskeyglas und stilsicherem Auftreten durch das Geschehen führt. Das bedeutet in diesem Fall, dass man an einer Reihe von Minispielen teilnehmen soll, um seine Gegenspieler dabei auszustechen und als großer Gewinner vom Platz zu gehen. Um dem tierischen Anspruch treu zu bleiben, schlüpft man selbst in die Rolle eines animalischen Avatars (beispielsweise Elefant, Ente oder Krokodil), wobei ein mit dem Smartphone aufgenommenes Selfie darüber entscheidet, welche Tierform am besten zu einem passt

Von Minen, Bomben und Bürostühlen

Insgesamt 15 Minispiele warten darauf von bis zu vier Spielern bewältigt zu werden. Da der Wettkampf im Vordergrund steht, macht es mit menschlichen Spielern erwartungsgemäß auch sehr viel mehr Spaß, wer aber möchte kann sich auch mit der KI anlegen, die offene Positionen besetzt. Und obwohl die Anzahl der Herausforderungen demnach überschaubar ist, überzeugen die Spielchen allesamt auf einer kreativen Ebene.Aber auch die generelle Präsentation passt. Dank deutscher Texte, (gelungener) deutscher Sprachausgabe und der Möglichkeit Tutorials zu absolvieren, lernt man die Grundzüge der Spiele schnell kennen.

Im “Feld der Fallen” beispielsweise ist es die Aufgabe der Spieler von einer Seite des Spielsfelds auf die andere zu kommen, sich die heiße Suppe zu schnappen und zurückzukehren. Leichter gesagt als getan, denn der Name kommt nicht von ungefähr: Auf dem Weg lauern einige Gefahren, unter anderem explosive Minen, die von den anderen Spielern auf geheimen Positionen platziert werden. Beim Bürostuhl-Curling muss man seine Spielfigur wie im Vorbild in die Mitte einer Zielscheibe befördern, wobei einen die Gegner ausbremsen, beziehungsweise aus dem Feld stoßen können.

Ja, Frantics Minispiele sind chaotische kleine Gemeinheiten, in denen einiges auch dem Zufall überlassen ist. Und das sorgt mindestens für genauso viel Frust wie Spaß. Denn das man seine Mitspielern jederzeit behindern oder ausbremsen kann, sorgt definitiv für Laune, dass sich das Blatt aber auch jederzeit wenden kann, obwohl man spielerisch womöglich eindeutig besser war, kann für fiese Wutausbrüche sorgen. Aber das macht ja auch viel des Reizes aus. Und mal ehrlich, wenn man andauernd vom besonders hartnäckigen Mitspieler gerammt, in Stacheln geschleudert oder mit einem Kart ausgestattet wird, dass viereckige Reifen hat, man aber trotzdem gewinnt – dieses Gefühl ist unbezahlbar.

Bei Anruf Sabotage

Nicht unbezahlbar, dafür aber kostenlos sind die Anrufe und Nachrichten, die man während des Spielens auf dem Smartphone erhalten kann. Denn niemand Geringeres als der Moderator meldet sich ab und an bei einem der Spieler und vertraut diesem Geheimaufträge an. So muss beispielsweise ein bestimmter Gegner ausgebremst oder andere bestimmte Aufgaben erfüllt werden. Schafft man das, winken Kronen oder Münzen als Belohnung.

Erstere repräsentieren im großen Finale die verfügbaren Leben der eigenen Spielfigur und können in den Minispielen, an denen man auf dem Weg dorthin teilnimmt, gewonnen werden. Oder aber man kauft sie sich in einer – ebenfalls vor dem Finale stattfinden – Auktion, in deren Rahmen der ausgefuchste Gastgeber alle möglichen hilfreichen Items und Boni anbietet. Münzen kann man übrigens während der Minispiele ergattern und liegen mitunter einfach auf dem Spielfeld herum.

Im großen Finale, der letzten Aufgabe ehe der Gewinner ermittelt wird, betont Frantics nochmals den chaotischen Charakter des Spiels: Hier entscheiden Sammellaune, Itemwahl und auch der Zufall viel über Sieg und Niederlage. Klar, wer die meisten Minispiele gewonnen hat, steht natürlich generell eher besser an, da aber auch Kronen durch bestimmte Ereignisse oder das Absolvieren von Geheimaufträgen ergattert werden können, muss der Favorit nicht zwangsläufig auch der Sieger sein.

Fazit zu Frantics

Frantics ist chaotisch, witzig, absurd, manchmal unfair und fies. Und genau deshalb auch eines der charmantesten und spaßigsten PlayLink-Experimente, die es bisher auf die PlayStation 4 geschafft haben. Ja, That’s You! macht auch sehr viel Spaß und Hidden Agenda versteht es ganze Gruppen mit seiner Atmosphäre einzufangen, aber der hier vorliegende Titel zieht einen mitten hinein in einen fiesen Wettkampf, in dem wir alle mal zum Tier werden dürfen und es buchstäblich müssen. Es wird viel geflucht werden und auch trimphierend gelacht – zumindest wenn man mit anderen menschlichen Spielern am Wettkampf teilnimmt. Geht natürlich auch gegen die KI, aber so ganz zünden will das Spiel mit den Minispielen dann nicht.

Leider ist die Auwahl dieser kurzen Spielchen dann mit 15 Stück doch sehr klein, was den Wiederspielwert maßgeblich beeinflusst. Nach der ersten Begeisterung musste zumindest ich – samt dazugehöriger Spielgruppe – feststellen, dass man es ab und mal für eine schnelle Runde anwerfen kann, es aber nicht die abendfüllende Qualität eines Mario Party hat. Schade! Dennoch macht man für derzeit 19,99 € im PlayStation Store nicht viel falsch.

Natürlich gilt auch hier (wie bei allen PlayLink-Titeln), dass die Steuerung via Smartphone hervorragend funktioniert und durch cleveren Einsatz der Geheimaufträge immersiv genutzt wird. Abschließend noch einen kleinen Tipp: Wen die ständigen Tutorials nerven, kann diese auch in den Optionen ausschalten.

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

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