Dragon Quest XI im Test

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Mit Dragon Quest XI: Streiter des Schicksals bringt die kultige Rollenspielschmiede Square Enix das erste Mal seit 2004 wieder einen Singleplayer-Ableger der Reihe auf traditionelle Konsolen. Damals mit Dragon Quest VIII: Die Reise des verwunschenen Königs endete auf der PlayStation 2 eine Ära traditioneller Rollenspielkunst. Es folgten Handheld-Ableger und ein MMORPG-Spin-Off, das außerhalb Japans niemals veröffentlicht wurde. Ob der neueste Ableger an die Erfolgsgeschichte der Vergangenheit anzuschließen vermag, oder ob das Gameplay von der Zeit überholt wurde, soll der folgende Test klären.

Dragon Quest XI

 

Von Auserwählten und Prophezeiungen

Nach einer dramatischen und wunderschön animierten CGI-Sequenz schlüpft man in die Rolle des namenlosen Protagonisten, der gemeinsam mit seiner Jugendfreundin Sandra an einem Ritual teilnehmen muss. Dazu muss der Gipfel eines Berges bestiegen werden, um ein Gebet zu sprechen. Doch statt die Reise problemlos bewältigen zu können, wird man von wilden Monstern attackiert. Nur durch magische Intervention können die beiden überleben. Schnell wird klar, dass es sich beim Protagonisten des Spiels, um die Wiedergeburt des sogenannten Lichtbringers handelt, einen Auserwählten, der die Welt vor dem Bösen bewahren soll. Also werden die nötigsten Sachen zusammengepackt, das Pferd gesattelt und das Dorf verlassen. Das Ziel ist der Palast, denn nur der König scheint zu wissen, was die nächsten Schritte des Auserwählten sein müssen. Doch andere Prophezeiungen durchkreuzen diese Pläne und ehe man sich versieht, findet man sich in einem Verlies wieder. Und das ist nur der Anfang einer unglaublichen und langen Reise über die Kontinente der riesigen Spielwelt hinweg.

Zwar ist die Story auf den ersten Blick nicht besonders innovativ – etwas, das sich auch auf den zweiten oder dritten Blick nicht ändern wird – allerdings wird sie äußerst charmant erzählt. Zudem überzeugen die verschiedenen Figuren, die im Laufe der immerhin knapp 70 Stunden dauernden Kampagne treffen wird, auf ganzer Linie. Bei ihnen handelt es sich um ausgearbeitete und toll geschriebene Figuren, die trotz zahlreicher JRPG-Klischees eine unglaubliche Tiefe entfalten können. Gleiches gilt auch für die Handlung, die sich bis zum Ende tatsächlich immer weiter steigert.

Dragon Quest XI

Tradition trifft Moderne

So klassisch wie die Geschichte, präsentiert sich dann auch das Gameplay. Ähnlich wie Octopath Traveller, das exklusiv für die Nintendo Switch veröffentlicht wurde, setzt Square Enix auch hier auf eine traditionelle Rollenspiel-Erfahrung. Allerdings funktioniert die Mischung aus Tradition und Moderne in Dragon Quest XI nochmals besser. Es gilt die Weltkarte frei zu erkunden, sich in Dörfern mit NPCs zu unterhalten, Waffen und Rüstung aufzustocken oder sich in der Gaststätte gegen eine geringe Gebühr von den Strapazen der Reihe auszuruhen. In den Dorfschaften und Städten wird ein generell eher entschleunigtes Tempo geboten. Hier kann man sich meist um seine Party kümmern und der Handlung folgen, während die Weltkarte von unzähligen Monstern heimgesucht wird, die man jederzeit bekämpfen kann – zumindest wenn man das möchte.

Denn im Gegensatz zu den JRPGs alter Schule sind die Feinde hier sichtbar und wuseln durch die Gegend. Dementsprechend können sie bei Bedarf auch jederzeit umgangen oder präventiv angegriffen werden. Daraus entstehen im darauffolgenden Kampf Vorteile für den Spieler.

Rundenbasierte Kämpfe

Dass die Kämpfe nicht in Echtzeit, sondern rundenbasiert ablaufen, entschleunigt das Spiel zusätzlich und ist ein weiteres Zugeständnis an die goldene Ära der japanischen Rollenspiele. Vor jedem Zug müssen die Aktionen des Charakters durchdacht und ausgewählt werden. Anschließend sind die Gegner an der Reihe, wieder man selbst, usw. Da die liebevoll designten Monster schnell gewisse Schwachstellen und Stärken vorweisen, reicht stupide Knöpfchendrückerei dauerhaft nicht aus. Stattdessen gilt es gezielte Aktionen zu wählen und an die Situation anzupassen. Aber auch hier hat man schließlich die freie Wahl: Ob man nur einen seiner bis zu vierköpfigen Truppe aktiv befehligen möchte, während die anderen von der KI übernommen werden, oder zwei, alle – oder gar keinen – bleibt einem selbst überlassen. Eine Entscheidung, die man in der jeder Runde ändern kann, sollte man dies wünschen.

Dennoch wird der Schwierigkeitsgrad nie allzu hoch, sondern bleibt stets moderat. Zumindest dann, wenn man nicht an jedem Gegner vorbeiläuft. Dass dabei die Zwischen- und Endbosse die obligatorische größere Herausforderung bieten, liegt natürlich auf der Hand. Doch auch die normalen Gegner können es bei entsprechender Anzahl durchaus schon mal in sich haben. Doch wer mit Bedacht vorgeht, sollte aus jedem Gefecht siegreich hervorgehen können. Und wenn es wirklich eng werden sollte, kann man immer noch auf den gestärkten Zustand der Charaktere hoffen. Besonders starke Angriffe und besondere Fähigkeiten sind nur dann möglich.

Dragon Quest XI

 

Grafik & Sound

Dank des unvergleichlichen Zeichenstils des Dragon Ball-Schöpfers Akira Toriyama wirken nicht nur die Figuren von Dragon Quest XI wie aus einem Guss, sondern auch die Monster und Feinde. Ein Problem mit überbordender Niedlichkeit sollte allerdings niemand haben, denn neben den auf Wortspielen basierenden Feindbeschreibungen sind sie auch nur ganz selten irgendwie gruselig. Selbst tödliche Drachen sehen da eher aus wie dickbäuchige Faultiere. Aber das zeichnet den Charme der Reihe eben aus. Der genutzte Cel Shading-Stil passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge und zaubert herausragende Panoramen und Umgebungen auf den Bildschirm. Noch kein JRPG auf Animebasis sah bisher so wunderschön aus wie dieses.

Der Sound überzeugt auf der anderen Seite eher weniger. Die Melodien wiederholen sich furchtbar schnell und nerven genauso schnell wie sie ins Ohr gehen. Da hätte ein orchestraler und epischer Soundtrack eher gepasst statt diesem Gedudel.

Wesentlich nettere Worte gibt es da über die Sprachausgabe zu sagen. Diese liegt zwar nur in Englisch vor, ist aber – bis auf wenige Ausnahmen – toll gelungen. Außerdem ist sie keine Selbstverständlichkeit, gerade wenn man bedenkt, dass die japanische Version des Spiels überhaupt keine Sprachausgabe hat. Diese wurde extra für den westlichen Markt aufgenommen. Dass wir uns trotz des betriebenen Aufwands noch über deutsche Bildschirmtexte und Untertitel freuen dürfen, grenzt fast schon an ein Wunder. Dennoch gilt: So wünschen wir uns das!

Fazit

 Dragon Quest XI: Streiter des Schicksals ist ein Meisterwerk. Zwar bietet es keine großen Innovationen, sondern offenbart sich bei genauerem Blick als ein Kompromiss aus klassischem JRPG und modernem Rollenspiel, weiß aber dennoch zu gefallen. Denn beinahe alle Spielmechaniken funktionieren und greifen perfekt ineinander. Square Enix hat ein Paket für Fans eines Genres geschnürt, das es in dieser Form nicht mehr gibt und – wenn man die Entwicklung der hauseigenen Serie Final Fantasy betrachtet – vielleicht auch nie wieder geben wird. Und das ist schade, denn das rundenbasierte Kampfsystem, die sich selbst immer weiter steigernde Storyline und vor allem die phantastisch geschriebenen Charaktere sind über alle Zweifel erhaben. Rollenspielfans, zuschlagen!

Autor: Daniel Bubel

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

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