Death Stranding Review

Reviews / Tests Action & Adventure PS4
8

Sehr gut

Hideo Kojima trennte sich 2015 mit großem Tamtam von Konami und gründete sein eigenes Studio. Im selben Jahr kam dann die überraschende Nachricht, dass er mit Sony zusammenarbeiten würde. 2016 wurde dann auch Death Stranding für die PS4 erstmals vorgestellt. Niemand wusste etwas mit dem Trailer anzufangen, und die späteren Trailer waren ebenso verwirrend und mysteriös. „Kojima eben“, dachte ich mir grinsend bei jedem neuen Video. In Metal Gear Solid 5 hatte ich den Kojima-Wahnsinn zum ersten Mal erlebt und bin seitdem Fan. Andere können ihn nicht ausstehen – ein Zwischending scheint es da nicht zu geben. Aber wie ist Death Stranding denn nun und um was zur Hölle geht’s da eigentlich?

Death Stranding

Die Geschichte in Death Stranding ist sehr speziell

Death Stranding – Verwirrspiel

Letztere Frage ist für mich immer noch schwer zu beantworten. Wir befinden uns im postapokalyptischen Nordamerika, das nach dem katastrophalen „Death Stranding“-Ereignis verwüstet ist. Dabei kamen unsichtbare Kreaturen namens BTs (Beached Things) aus einer Dimension zwischen dem Diesseits und dem Jenseits auf die Erde. Diese verursachen Regen, der alle Lebewesen in kürzester Zeit altern und sterben lässt. Gegenstände zersetzen sich mit der Zeit ebenfalls. Außerdem geht von menschlichen Leichen eine extreme Gefahr aus, denn 24 Stunden nach dem Tod „explodiert“ jede Leiche (weil BTs den Körper fressen, glaube ich) und hinterlässt einen riesigen Krater. Das alles klingt wirr, erklärt aber die kargen, felsigen, leblosen Landschaften, in denen man sich bewegt. Bei alles vernichtendem Regen und Explosionen der aus dem Regen resultierenden Leichen kann ja auch nicht viel übrigbleiben. Die überlebenden Menschen leben seitdem in unterirdischen Siedlungen.

Ihr seid der Paketbote Sam Bridges, gespielt von Norman Reedus. Ihr tragt ständig ein aus den Trailern bekannten „BB“ mit euch herum, also ein noch nicht fertig entwickeltes Baby in einem durchsichtigen Behälter. Dieses warnt euch vor nahen BTs und muss auch manchmal geschaukelt werden, damit es fröhlich ist. Was es genau mit BBs auf sich hat, solltet ihr selbst herausfinden. Wir wollen ja nichts spoilern.

Logistik in der Postapokalypse

Die Siedlungen sind zum Transport von allen erdenklichen Gütern auf solche Boten angewiesen, denn die meisten Menschen trauen sich verständlicherweise nicht ins Freie. Ziel ist es, alle Siedlungen und Städte der UCA (United Cities of America) wieder zu vernetzen und Amerika zu vereinigen.

Zuerst könnt ihr die Pakete und Kisten nur auf euren Rücken laden (und irrwitzig hoch stapeln) und die Strecken zu Fuß laufen, später erleichtern euch Fahrzeuge den Transport. Fahrzeuge haben aber wiederum Probleme mit dem meist schwer zugänglichen Terrain, das übrigens der Landschaft Islands nachempfunden ist. Bevor ihr loszieht, könnt ihr noch allerlei Werkzeuge und Hilfsmittel mitnehmen. Mit Leitern kommt ihr über schmale Flüsse oder an steilen Felsen hoch, mit Seilen könnt ihr euch von hohen Stellen abseilen (und später wieder daran hochklettern). Doch auch richtige Brücken können gebaut werden, später sogar asphaltierte Straßen, wenn ihr genug Materialien dabeihabt. Sämtliche Strukturen bleiben dort, wo ihr sie gelassen habt, bis der Regen sie irgendwann zersetzt hat (es sei denn, ihr repariert sie).

Das Interessante dabei ist der asynchrone Multiplayer-Aspekt für eure PS4 Konsole. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch bei jedem Spielstart automatisch ins „Netzwerk“ einloggen und von den Errungenschaften anderer Spieler profitieren. Das heißt, ihr seht dann Leitern, Brücken, Straßen etc. von anderen Spielern in eurer Welt. Andere Spieler sehen wiederum eure Strukturen in ihrer Welt. Natürlich seht ihr nicht alle Konstruktionen von hunderttausenden Spielern auf einmal, sondern ein Algorithmus pickt sich ein paar davon heraus. Wenn ihr z.B. die Brücke eines Spielers nützlich findet, könnt ihr euch bei dem Spieler mit „Likes“ bedanken. Likes bekommt man auch für erfolgreiche Missionen und Lieferungen. Je mehr Likes ihr habt, desto höher ist euer Level und desto besser sind eure Werte, die in fünf Kategorien unterteilt sind. Einer davon bestimmt z. B., wie viel ihr tragen könnt.

Nichts für jeden

Jetzt kommt der Knackpunkt: Manche Menschen können sich auf ein Konsolen Spiel einlassen, in dem sie stundenlang durch eine karge, öde Welt stapfen und dabei auch noch auf ihre Balance achten müssen, damit sie nicht hinfallen. Sie können damit leben, dass Regen die Fracht langsam kaputtmacht und Banditen namens MULEs und die gruseligen BTs ihnen das Leben schwermachen, gegen die man sich am Anfang nicht mal wehren kann. Manchmal wird das Ganze mit melancholischer Musik untermalt, die das Gefühl der Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit gut rüberbringt. Anderen ist das schlichtweg zu langweilig, mühselig, eintönig und durchgeknallt. Die Story ist gut erzählt und bizarr, wie man es von Kojima erwarten würde. Die vielen Hollywood-Schauspieler und andere bekannte Personen liefern tolle Leistungen ab – aber eben nur in den Zwischensequenzen. Die gesamte Story spielt sich in den Zwischensequenzen ab, was einige Spieler abschrecken kann. Wer sich nur für die Story interessiert, wird das Gameplay als langwieriges Hindernis für seine PS4 Konsole empfinden.

Test und Text von Markus Haselmann

Bilder von Sony Playstation

Good

  • originelle Spielidee
  • Story typisch Kojima
  • viele bizarre und witzige Details
  • schöne Grafik
  • tolle Leistungen der Schauspieler
  • passende melancholische Musik
  • gelungener asynchroner Multiplayermodus

Bad

  • Gameplay kann langweilig werden
  • Spielspaß leidet unter übertriebenem Realismus
  • rudimentäres Kampfsystem
  • Menüs unnötig kompliziert
  • Teils sehr kleine Texte

Summary

Death Stranding ist das Spiel, das Hideo Kojima schon immer machen wollte, ohne dass ihm ein Publisher im Nacken sitzt, der Vorgaben macht. Ungezügelte Kreativität sozusagen, ohne Rücksicht auf Verluste. Niemand konnte ihm hier reinreden und finanzielle Mittel standen ihm sicher auch reichlich zur Verfügung. Wie zu erwarten war, ist so ein Spiel nichts für die Massen. Kojima feiert sich hier selbst. Wir konnten das aber ausblenden und uns auf Death Stranding einlassen, auch wenn es anfangs nicht leicht war. Die Story ist bizarr, aber interessant, die Grafik inkl. Performance Capturing ist spitzenklasse, die melancholische Musikauswahl erzeugt genau die passende Atmosphäre, und Fans von Norman Reedus, Mads Mikkelsen, Margaret Qualley etc. haben hier sowieso ihren Spaß. Wer noch nie etwas mit den Spielen von Kojima anfangen konnte, sollte aber die Finger davonlassen.
8

Sehr gut

Gameplay & Steuerung - 7
Grafik - 9
Sound - 9
Story & Inszenierung - 8
Spielspaß - 7