Deadcore – Der Speedrun-Shooter im Test

PS4 Reviews

Es gibt so viele Spiele, in denen der Protagonist oder die Heldin an einem fremden Ort erwacht, ohne Erinnerungen an das vorherige Leben, das ich zumindest immer zusammenzucke, wenn ich das in der Handlungsbeschreibung eines Titels lesen muss. Das deutet meist auf einen gewissen kreativen Mangel hin, oder darauf, dass der Entwickler, beziehungsweise “Scenario Writer”, einen Blick in das Buch “Abgedroschene Storyelemente” geworfen und dessen Vorschläge beherzigt hat. Warum ich das schreibe? Weil auch der Titel DeadCore, den ich folgend besprechen möchte, mit jenem Erinnerungsmangel beginnt. Nur sonst, sonst ist so ziemlich gar nichts an diesem Titel gewöhnlich…

Willkommen in der Zukunft

In der Mitte steht ein Turm, um ihn herum schweben seltsam futuristische Plattformen und rotierende Gänge. Dorthin führt es unseren erinnerungslosen Protagonisten. Doch der Weg ist gespickt von Fallen, Minen, Schaltern, Sprungfeldern und anderen tödlichen und hilfreichen Apparaturen. Also beginnt er vorsichtig mit dem Aufstieg. Ganz langsam und Stück für Stück, immer jene seltsame Waffe im Anschlag, mit der man Schalter aus der Ferne deaktivieren und Gegner ausschalten kann. Und genau hier liegt der erste Fehler.

Denn DeadCore ist nicht nur ein extrem abwechslungsreicher Platform-Shooter, der aus der Ego-Perspektive gespielt wird und aufgrund des Stils durchaus Erinnerungen an Mirror’s Edge wachruft. Es handelt sich auch um ein Spiel, das schnell gespielt werden möchte. Eines, das auf schnelle Reaktionen und blitzschnelles gedankliches Umschalten pocht. Wer langsam vorgehen möchte, macht etwas falsch. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wird wahrscheinlich kaum Spaß mit dem Spiel haben.

Es steht in der Überschrift ja schon vorweggenommen, aber genau genommen ist DeadCore nicht nur jener Jump’n’Run-artige Shooter, sondern eben einer, der auf Speedrunner ausgelegt ist. Wenn man sich durch entsprechende Plattformen in die Lüfte katapultieren lässt, mittels “Dash” in einen Tunnel abtaucht, um dort plötzlich Laserbarrieren ausweichen zu müssen, dann kann man das natürlich auch vorsichtig vorantastend. Aber das dauert a) Zeit, was aufgrund der mitunter unfair platzierten Checkpoint besonders frustrierend sein kann und raubt b) groß Teile des Spielspaßes.

Abgefahrenes Leveldesign

Vielmehr möchte DeadCore den Spieler dazu herausfordern das Level im Schnelldurchgang zu erkunden und den besten und schnellsten Weg herauszufinden. Da passiert es eben auch mal schnell, dass man sich durch einen scheinbar unpassierbaren Spalt katalputieren, einen abgelegenen Schalter aktivieren und möglichst genau auf einer winzig erscheinenden Plattform landen muss. Es geht auch anders, ja, aber das ist nur ein weiterer Vorteil des hervorragenden Leveldesigns: Es gibt immer mehr Wege, als es zuerst den Anschein macht.

Deshalb sollte man auch nicht versuchen einen Level mal so nebenher zu spielen. Volle Konzentration und gute Reflexe sind Pflicht, sonst stürzt man auch nach hundert Versuchen noch an der gleichen Stelle in den Tod. Auch sollte man darauf gefasst sein, von dem Spiel absichtlich ausgetrickst zu werden. Denn an manchen Stellen tauchen völlig unerwartet und buchstäblich in der letzten Sekunde noch Hindernisse auf, die das Ableben bedeuten können. An diesen Stellen wird DeadCore zum Trial&Error-Game. Doch zum Glück überwiegen diese nicht.

Zu Umfang und Technik

Wer sich durch die Kampagne spielt, darf sich auf fünf stylishe und abgefahrene Level freuen. Dabei steigern sich dort nicht nur die “haarigen” Sprungpassagen, sondern auch das Gameplay wird ständig um weitere Elemente erweitert. Und wem das nicht genug ist, der kann sich auch noch am besonders knackigen “Speedrun”-Modus versuchen. Hier geht es dann letztlich nur noch um die beste Zeit.

Technisch wirkte der Titel schon bei der Veröffentlichung für den PC im Jahre 2015 altbacken und daran hat sich auch heute nichts geändert. Zwar wirken Artdesign und Grafikstil durchaus stimmig, aber technische Bäume werden nicht ausgerissen. Zusätzlich stören auf der PS4 Tearing und mitunter starkes Kantenflimmern. Das ändert allerdings nichts an der hervorragenden Spielbarkeit.

Mein Fazit zu DeadCore

DeadCore hat mich überrascht. Nach dem ersten Starten hat mich der Titel schnell gefrustet. Zu hart waren manche Sprungpassagen, zu fies manche Stellen. Doch nachdem ich mir ein “Let’s Play” angeschaut hatte, begriff ich, dass ich es anders spielen muss. Irgendwie half mir das schnellere Spielen dann den Titel lieb gewinnen zu können. Klar sollte man manchmal abbremsen und sich umsehen, aber so richtig viel Spaß macht der Platform-Shooter erst mit der nötigen Geschwindigkeit.

Man sollte grafisch allerdings nicht viel erwarten und auch die eingangs erwähnte Geschichte bleibt auf dem erwähnten Niveau. Aber das stört aufgrund des hervorragenden Gameplays und Leveldesigns nicht. Für gerade mal 7,99 € im PlayStation Store, sollte man ohnehin mal reinschnuppern.

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

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