Chaos auf Deponia im Test

PS4 Reviews

Der erste Ableger der mittlerweile vier Teile umfassende Deponia-Reihe erschien bereits Anfang 2012 und erfreute sich großer Beliebtheit. So großer Beliebtheit sogar, dass noch im gleichen Jahr ein zweiter Teil, Chaos auf Deponia genannt, veröffentlicht wurde. Dieser setzte die Geschichte rund um Rufus, Goal und weitere liebens- oder hassenswerte Charaktere konsequent fort. Konsolenbesitzer mussten indes etwas länger warten. Deponia wurde 2016 unter anderem für die PlayStation 4 veröffentlicht, während wir erst seit Dezember 2017 Hand an den Nachfolger legen können. Ob der von Daedalic Titel dabei noch genauso zu begeistern weiß wie vor nunmehr fünf Jahren, soll der folgende Test klären.

Chaos auf Deponia

Dabei schlüpft man, wie bereits im Vorgänger, wieder in die Rolle des vorlauten, tollpatschigen und sich maßlos selbst überschätzenden Helden Rufus, dessen eigenwilliger Sinn für Humor und charmant widersprüchliche Persona tatsächlich auch einen großen Teil des Spiels ausmachen. Denn auch wenn die Geschichte selbst durchaus spannend, interessant und vor allem witzig erzählt ist, sind es gerade die Figuren und deren mitunter abgedrehte Wortgefechte, die ständig motivieren. Den ersten Teil muss man – um die Handlung zu verstehen – nicht zwingend gespielt haben, zumal dessen Story am Anfang des Spiels auch noch einmal zusammengefasst wird. Spätestens nach dem Einstieg, beziehungsweise dem Tutorial, wird dann auch kein Auge mehr trocken bleiben – so lustig ist Chaos auf Deponia.

Zur Handlung selbst, um hier möglichst spoilerfrei nur den erwähnten Einstieg zu umreißen, soll gesagt werden, dass es nach einem mehr oder weniger zu erwartenden Missgeschick nebst daraus resultierendem Unfall zu einer buchstäblichen Persönlichkeitsspaltung von Rufus Herzensdame Goal kommt. Wieder zu vereinen, was zusammengehört und gleichzeitig das explosive Ende des Planeten Deponia zu verhindern, wird nun die Aufgabe des Spielers, der die Kontrolle über Rufus übernimmt.

Klassische Point & Click-Kost

Ähnlich wie im Test zum ebenfalls aus einem deutschen Studio stammenden The Inner World 2, darf ich auch hier das Kompliment verteilen, das es viel zu selten in Reviews zu lesen gibt, nämlich dem, dass es sich bei dem vorliegenden Spiel um ein klassisches 2D-Adventure handelt. In Zeiten von Adventures der Marke Telltale, die zwar mitunter spannende Geschichten inszenieren, aber den mindestens ebenso wichtigen Rätselanteil einfach unterschlagen, ist es immens wichtig, dass es zum Ausgleich auch Titel wie Chaos auf Deponia oder auch das angekündigte Trüberbrook gibt, die nebst der Erzählung einer Geschichte auch Kopfnüsse und den Knobeleien liebenden Spieler bringen wollen.

Hierzu bewegt man seine Figur vor den handgezeichneten und voller Details steckenden Hintergründen, was auch mittels Controller hervorragend funktioniert, interagiert mit Gegenständen in seiner Umgebung, die man entweder aufheben und im Inventar verstauen, direkt nutzen oder lediglich begutachten kann, oder unterhält sich mit NPCs. Die Gespräche sind nicht nur sehr gut geschrieben und synchronisiert, sondern stecken ebenso wie die Hauptstory voller Charme und vor allem Humor. Zudem offenbaren sie häufig auch Hinweise zur Lösung der erwähnten Rätsel, die es ganz schön in sich haben können.

Wenn ich das mit dem…?

Kopfnüsse sowie Inventarführung werden relativ schnell sehr komplex. Das Inventar fasst zahlreiche verschiedene Gegenstände, die sich in der Theorie auch noch miteinander kombinieren lassen, um so weitere Benutzungsmöglichkeiten zu erschaffen. Da der generelle Schwierigkeitsgrad der Rätsel zwischen “offensichtlich” und “das hat sich doch ein Schimpanse mit Hilfe eines Unwahrscheinlichkeitsdrives mit Zufallsgenerator ausgedacht” schwankt, ist es äußerst schade, dass es kaum Hilfestellung abseits der Dialoge mit NPCs gibt. Wer nicht genau aufpasst oder sich – sollten größere zeitliche Abstände zwischen den Sitzungen klaffen – Notizen machen, der wird wahrscheinlich früher oder später auf eine Komplettlösung zurückgreifen müssen. Oder man probiert eben einfach alles durch – das ist aber genau so spannend, wie es hier klingt, nämlich gar nicht.

Das soll aber nicht bedeuten, dass die Qualität der Rätsel etwa schlecht wäre, ganz im Gegenteil, sie ist geradezu herausragend und erinnert durch ihre verschachtelte und sehr eigene Logik mitunter an die klassischen Monkey Island-Teile, aber einfach oder leicht zu durchschauen, das sind sie eben nicht immer, oder besser: eher selten.

Grafik, Sound und Steuerung

Hier gibt es rein gar nichts auszusetzen. Die handgezeichneten Hintergründe sehen dank HD einfach umwerfend aus und strotzen nur so vor Details. Die gesamte Spielwelt ist so liebevoll und phantasievoll in einem durchgängigen Stil gehalten, dass sie wie aus einem Guss wirkt. Der Soundtrack zieht da mit seinen verschiedenen, mal langsameren, mal schnelleren, aber immer eingängigen Tracks. Die deutsche Synchro mag nicht immer jedermanns Geschmack treffen, ist aber professionell besetzt und es macht Spaß ihr zu lauschen. Im Gegensatz zu anderen Adventures braucht man die Sprachausgabe nicht ändern. Wer will, kann das aber dennoch tun.

Die Steuerung wird deshalb erwähnt, weil viele 2D-Adventures hier bei der Konsolenfassung Abstriche machen (müssen). Dennoch funktioniert die direkte Steuerung via Analogstick hervorragend, Hotspots lassen sich mittels Schultertasten jederzeit anzeigen und entsprechende Aktionen problemlos auswählen. Zumindest dann, wenn man sie nicht gerade mit Rufus blockiert. Das kann zwar mal vorkommen, stört aber nur selten.

Fazit – Chaos auf Deponia

Chaos auf Deponia – und anscheinend liegt der Schlüssel zu diesem Review in der Wiederholung – ist ein klassisches 2D-Adventure im bestmöglichen Sinne. Der Titel ist skurril, wunderschön und grandios albern. Mehr als einmal habe ich laut loslachen müssen, was bei einem Spiel so gut wie niemals vorkommt. Daedalic hat einen tollen Titel mit angepasster Steuerung auf die PlayStation 4 gebracht, dessen Rätsel, Design und Synchronsprecher über beinahe alle Zweifel erhaben sind. Wer Adventures mag, gerne lacht und noch viel lieber über scheinbar haarsträubenden Aufgaben brütet, sollte unbedingt zugreifen.

Aber generell sollte jeder ab sofort täglich hundert eMails schreiben, um nach dem dritten Teil zu fragen. Den brauchen wir auf der Konsole nämlich auch noch unbedingt. Dankeschön!

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

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