Bravo Team im Test

PS VR Reviews

Entwickler Supermassive liefert nach Until Dawn: Rush of Blood und The Inpatient mit Bravo Team nun den dritten exklusiven Titel für Sonys PlayStation VR-Headset ab. Diesmal verzichtet man allerdings auf das Übernatürliche, wirft einen stattdessen in ein realistisch anmutendes Kriegsgebiet und unterstützt sogar Sonys Aim Controller. Ob die Rechnung aufgeht, soll der folgende Test klären.

Bravo Team

Nachdem man sich dafür entschieden hat, welchen Geschlechts die eigene Spielfigur sein soll, dauert es nur einen Augenblick ehe die Story von Bravo Team an Fahrt aufnimmt. Man selbst ist Teil einer Einheit, deren Konvoi angegriffen wird. Mit pfeifenden Ohren kommt man zu sich und muss nur mit einem Partner versuchen das Kriegsgebiet hinter sich zu lassen. Natürlich muss man sich dafür gegenseitig den Rücken freihalten und sich gegen unzählige Gegner verteidigen.

Viel mehr gibt es nicht zur Story zu sagen, muss aber auch gar nicht sein, denn immerhin präsentiert sich der von Supermassive entwickelte Titel als waschechter Virtual Reality-Shooter, der sein Hauptaugenmerk auf das kooperative Erlebnis und die Gefechte legt.

Da man immer im Zweierteam unterwegs ist, kann man sich als Solist dennoch auch auf einen KI-Kameraden verlassen, der zwar manchmal seine Aussetzer hat und sich beispielsweise nicht bewegt oder nicht die nötige Deckung gibt, aber im Großen und Ganzen seinen Job macht. Spaßiger ist es natürlich, wenn man entweder mit einem befreundeten PS VR-Besitzer spielt oder mit einem Fremden via Online-Anbindung durch die Gebiete zieht. Das funktioniert auch hervorragend, zumal man im Spiel mit anderen menschlichen Spielern auch jederzeit im Sprachchat das Vorgehen besprechen kann. Die KI reagiert indes nur auf vorgegebene Befehle, die per Knopfdruck gegeben werden.

Weniger Taktik-, mehr Railshooter

Nach der damaligen Ankündigung und ersten Preview hätte man denken können, dass es sich bei Bravo Team um einen ausgewachsenen Taktik-Shooter im Kaliber eines Rainbow Six Siege handelt, was allerdings nicht der Fall ist. Stattdessen präsentiert sich der VR-Titel als eine Art Railshooter, in dem man immer wieder Wellen von Gegnern erledigen muss. Dazwischen geht man in Deckung und prescht vorwärts zur nächsten Barrikade, um dort wieder hinter einer Deckung kauernd auf die nächste Welle zu warten. Schade, dass man das Potential hier etwas verschwendet hat, auch wenn die Begegnungen nach wie vor Spaß machen.

Aber so entdeckt man schnell – egal ob mit KI oder menschlichem Mitspieler – dass der einfachste Weg der ist, sich nach vorne zu begeben, sich den Rücken freihalten zu lassen und dabei die anstürmenden Soldaten zu erledigen. Denn einige Spawnpunkte sorgten – gerade zu Beginn – für Kopfschütteln. Es tauchten quasi unendlich viele Gegner auf, was man nur unterbinden konnte, wenn man zwischen den Wellen nach vorne stürmte und einen Checkpoint einnahm.

Aber ist das alles überhaupt schlimm? Sind die genannten Faktoren tatsächlich so tragisch, dass sie ins Gewicht fallen, beziehungsweise die Wertung beeinflussen würden? Bisher eigentlich nicht, nein. Denn der Shooter-Part als solcher funktioniert routiniert und sehr gut, gewinnt zwar keine Innovationspreise, kann aber dank situativer Spannung durchaus sehr gut unterhalten. Zumindest dann, wenn man mit dem richtigen Controller spielt.

Einmal den Farpoint-Aim Controller, bitte!

Wer die Möglichkeit hat, der sollte Bravo Team unbedingt mit dem Aim Controller spielen, der seinerzeit zusammen mit dem ebenfalls exklusiven VR-Shooter Farpoint veröffentlicht wurde. Das toll designte Stück Plastik, das nicht umsonst äußerlich einer Waffe entspricht, eignet sich hervorragend für Supermassives aktuellen Titel. Wenn das Tracking funktioniert, kann man sich wunderbar aus Deckungen herauslehnen, mit der Waffe im Anschlag zielen und den Gegnern anschließend mit enormer Treffsicherheit zusetzen.

Das geht zwar theoretisch auch mit dem DualShock 4, also ganz klassisch, funktioniert aber eben nicht annähernd so gut und zerstört gleichzeitig die Immersion enorm. Denn das muss man Sony lassen, der Ziel Controller ist ein tolles Stück Hardware, der sich für solche Spiele perfekt eignet.

Leider wurde er aber auch nur halbherzig implementiert. Denn ja, einerseits kann man damit durchaus besser zielen, andererseits aber auch nicht mit allen Waffen. Mitunter sind die virtuellen Abbilder so versetzt platziert, dass man erst einmal umdenken muss, oder aber es verhält sich wie mit den Scharfschützengewehren. Mit diesen zu schießen ist einfach nicht intuitiv und schlimmer noch: macht keinen Spaß! Das ist besonders deshalb schade, weil es gerade mal vier unterschiedliche Waffenarten gibt, aus denen man wählen kann. Das hätte mehr sein müssen!

Immersionskiller & Spielzeit

Und auch weitere Kleinigkeiten stören den Spielfluss unabhängig davon, welcher Controller zum Einsatz kommt. Die wichtigste davon und der größte Immersionskiller ist der plötzliche Perspektivwechsel, wenn man die Deckung verlässt um sich neu zu positionieren. Ich kann verstehen, dass dies dazu dient, um weniger geübten Mägen eine durch VR verursachte Übelkeit zu spendieren, aber wenn ich aus der Egoperspektive einen Schuss abfeuere, mich nach vorne lehne, um eine neue Deckung zu suchen und dann den Knopf drücke, um diese anzusteuern, empfinde ich es als unglaublich verwirrend, wenn das Spiel plötzlich in die Third Person wechselt und ich mir selbst über die Schulter schauen muss. Orientierungslosigkeit und Verwirrung sind die einzige Konsequenz dieser Entscheidung.

Ebenfalls negativ fällt die Spielzeit auf. Nach knapp drei Stunden ist Schluss. Danach hat man noch die Möglichkeit im Herausforderungsmodus Highscores zu knacken. Mehr bietet Bravo Team nicht. Auch das ist schade, bieten doch Setting und Genre genügend Möglichkeiten für einen ausgearbeiteten Multiplayer-Modus. Deathmatch 2vs2 auf kleinen Maps? So etwas hätte drin sein sollen.

Fazit

Vieles hier mag sich negativ gelesen haben und einiges ist das auch bestimmt sogar. Aber das Gefühl mit einem Partner (am besten aus Fleisch und Blut) gegen die Gegnerwellen vorzugehen und sich durchaus spannende Gefechte zu liefern, lässt sich auch nur schwer beschreiben. Und das ist echt gut. Ja, Bravo Team ist spielerisch manchmal lediglich durchschnittlich, selbst im VR-Bereich nur okay, aber es bringt dennoch sehr viel Spaß. Zumindest so lange der Umfang es zu lässt, denn gerade mal drei Stunden bei aktuell ca. 40 € im PlayStation Store, sind einfach etwas wenig (oder eben zu teuer).

Dennoch gilt: Wer neues Shooter-Futter für seine PlayStation VR sucht und den Aim Controller besitzt, sollte sich den Kauf zumindest mal überlegen. Der Titel hat einiges an Potential und kann durchaus unterhalten, schade nur, dass so vieles auf der Strecke geblieben ist…

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

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