Accounting+ (Plus) im Test

PS VR Reviews

Wenn William Pugh, einer der Schöpfer des Kultitels The Stanley Parable, Justin Roiland, Schöpfer der durchgeknallten SciFi-Cartoonserie Rick & Morty und die Entwicklerstudios Crows Crows Crows und Squanch Games sich zusammensetzen, um einen Virtual Reality-Titel zu entwickeln, dann kommt dabei eben Accounting+ raus. Eine durch den Zusatz “Plus” und weitere Inhalte ergänzte Fassung des bereits 2016 für HTC Vive veröffentlichten experimentellen und alptraumhaft schrägen Spiels, das ab sofort für PlayStation VR erhältlich ist. Ob sich das lohnt, wollt ihr wissen? Wir haben da – nach dem obligatorischen Trailer – ein paar Zeilen für euch:

Buchhaltung 2.0

Bei Accounting+ handelt es sich, glaubt man der Legende, um einen Buchhaltungssimulator für PlayStation VR, dank dem man nicht nur die Grundzüge des aufregenden Jobs vermittelt bekommt, sondern seine Skills direkt unter Beweis stellen kann. Wer schon immer mal in einem Kellerbüro sitzen wollte, wo sich Kisten bis unter die Decke stapeln, Ventilatoren ächzten vor sich hin brummen und Telefonanrufe aus der Chefetage zu den Highlights des Tages gehören, der ist hier einerseits absolut richtig und andererseits im falschen Spiel.

Denn ja, der experimentelle VR-Titel beginnt tatsächlich mit dem gerade erwähnten Setting, entwickelt sich aber in atemberaubenden Tempo zu einem Inception-esken Trip immer tiefer in Parallelwelten und den dort wohl üblichen Wahnsinn. Das beginnt damit, dass man ingame aufgefordert wird, seine VR-Brille aufzusetzen, um sich im Spiel den Herausforderungen von VR-Buchhaltung zu stellen. Also gilt es den Schreibtisch freizuräumen, die virtuelle Brille und das Programm zu finden und sich das digitale Headset auf den Kop zu setzen. Wem nun schon der Schädel dröhnt, der sollte sich womöglich von dem Gedanken verabschieden Accounting+ in seiner Gänze genießen zu können.

Denn natürlich läuft es nicht so wie erwartet und so sieht man sich schnell einem schreienden Männlein, gefährlichen Gangs, Königen und den zerbrochenen Überresten dessen gegenüber, was man im Normalfall als die Vierte Wand bezeichnen würde. Wie schon in Rick & Morty, der kultigen Serie von Justin Roiland und Dan Harmon, überzeugt Accounting+ durch seinen schrägen Humor, geniale Einfälle und absurde Situationen, die durch die virtuelle Realität nochmals verstärkt ins Gehirn gehämmert werden.

Drücken, Werfen, Schießen

Eine Geschichte braucht ihr hier nur im angedeuteten Sinne zu erwarten, es sind vielmehr die unterschiedlichen Versatzstücke, die zusammengefügt irgendwann so etwas ähnliches wie Sinn ergeben. Leider bleibt der Titel spielerisch auf konventionellen (VR-) Pfaden. Man bewegt sich mittels Teleportation zu bestimmten Punkten, an denen man entweder mit Gegenständen und Figuren interagieren oder die abwechlungsreichen Szenarien aus einer neuen Perspektive bewundern kann. Aufgrund des generellen Spieldesigns fällt die reine Fortbewegung mittels Teleportation übrigens nicht negativ auf, sondern fügt sich nahtlos in das Spiel ein. Eine freie Bewegung ist generell immer erwünscht, hätte hier aufgrund des grundsätzlich beengten Raumes allerdings keinen Mehrwert.

Doch was tut man eigentlich außer durch den Raum zu zoomen? Entweder nutzt man den DualShock4-Controller oder – bevorzugt – die Move Controller, um seine Aufgaben zu erfüllen. Ohne nun zu viel zu den Leveln sagen zu wollen und um Spoiler in jeder Hinsicht zu vermeiden, kann man sagen, dass man häufiger einen bestimmten Gegenstand finden muss, um mit diesem in einer ganz bestimmten Art zu interagieren.

Das klingt nun vielleicht nicht allzu aufregend und ist es auf dem Papier auch nicht, allerdings sind die Nutzungsvoraussetzungen oftmals sehr kreativ oder absurd. So macht es einfach Spaß, die Level zu spielen und herauszufinden, was man zu tun hat. Dass das dann mitunter auch noch so schwarzhumorig böse sein kann, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt, werte ich ebenfalls als Pluspunkt.

Leider ist die Spielzeit sehr kurz geraten. Bereits nach einer Stunde hat man alles gesehen, erlebt und sogar das Bonus-Level besucht. Wer die Platin möchte, darf noch mal ran und muss insgesamt so um die zwei Stunden investieren. Das ist nicht viel, spiegelt sich aber auch im Preis wieder: 11,99 € kostet der Titel aktuell im PlayStation Store.

Grafik, Sound & Steuerung

Da man grafisch auf einen Cartoonlook setzt, sollte man natürlich keine allzu hohen Erwartungen setzen. Dennoch wissen die Umgebungen und Figuren zu gefallen und wirken stimmig. Wer den Look von Rick & Morty mag, wird sich auch in Accounting+ wohlfühlen. Technisch überzeugt der Titel. Die Kanten sind scharf, der Titel läuft flüssig und die versteckten Details und Hinweise sind jederzeit gut sicht- und lesbar. Ohenhin ist die Immersion in VR hervorragend gelungen und das trotz des minimalistischeren Looks. Der 3D-Effekt funktioniert dabei genauso gut, wie die Steuerung. Egal ob DualShock4 oder Move-Controller, der Titel ist jederzeit spielbar. Allerdings haben die zwei Move Controller den Vorteil problemlos beidhändig agieren zu können. Da die Erkennung sehr gut funktioniert, ist das die empfohlene Steuerungsmethode.

Der Soundtrack ist zurückhaltend, aber gelungen. Die Synchronsprecher, allen voran natürlich Justin Roiland mit seiner unverwechselbaren Art, leisten einen fantastischen Job. Allerdings gibt es den Titel nur mit englischer Synchro und englischen Texten. Wer alle Gags verstehen möchte, sollte demnach der Sprache mächtig sein.

Fazit zu Accounting+

Es ist sehr schwierig Accounting+ zu empfehlen. Einerseits ist es genial, bitterböse und saukomisch. Andererseits ist der Humor Geschmackssache und die Spielzeit sehr kurz. Dazu kommt, dass spielerisch unterm Strich nicht viel geboten wird. Ich persönlich hatte aber verdammt spaßige zwei Stunden mit dem Titel. Nachdem die Platin-Trophäe aufgepoppt war, wurde das Spiel noch ein paar mal gestartet, um es anderen zu präsentieren. Es ist das typische “Schnapp dir einen Freund oder eine Freundin, dazu zwei drei Bier und genieße den Unfug”. Und das meine ich als höchstmögliches Kompliment.

Dennoch gilt: Wer mit dem Humor nicht warm wird (seht euch den Trailer oder den Ausschnitt eines Let’s Plays an) oder spielerisch mehr erwartet als eine bessere Experience, sollte sich das Geld sparen.

Zocken ist meine Leidenschaft. Besonders Games mit Atmosphäre, toller Story und einem wunderbaren Sound ziehen mich immer wieder in den Bann. Meine Lieblingsgenres sind: Rollenspiele, Shooter und Strategie und Action.

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